FAQ Wiley Vertrag

Inhaltliche Fragen

Welche Zeitschriften sind im Vertrag enthalten?

Im Vertrag werden folgende Arten von Zeitschriften unterschieden:

  • Subskriptionszeitschriften, in denen Open-Access-Publikationen möglich sind (1420 Titel) sowie ein kleinerer Anteil von Titeln, in denen derzeit noch keine Open-Access-Publikationen möglich sind (178 Titel)
  • originäre Gold-Open-Access-Zeitschriften (110 Titel)

Die angegebenen Titelzahlen spiegeln die Situation zu Vertragsbeginn wider. Neu gegründete und zu Wiley transferierte Zeitschriften werden hinzukommen. Wenn Zeitschriften Wiley verlassen oder das Erscheinen einstellen, fallen sie entsprechend aus der Liste. Wiley bemüht sich, die Zahl der Zeitschriften, in denen noch keine Open-Access-Publikation möglich ist, weiter zu minimieren.

Besteht ein dauerhafter Zugriff auf die Zeitschriften?

Alle teilnehmenden DEAL-Einrichtungen, die einen „Sign-Up Letter“ und eine Teilnahmeerklärung unterzeichnet haben, erhalten einen dauerhaften Zugriff auf das gesamte Portfolio an elektronischen Zeitschriften von Wiley inkl. auf die zurückliegenden Jahrgänge bis 1997, also im direkten Anschluss an die Nationallizenz.

Wie ist die Publikations-Komponente ausgestaltet?

Alle Publikationen (primary research articles und reviews) von Submitting Corresponding Authors aus allen Einrichtungen, die grundsätzlich teilnahmeberechtigt sind, werden Open Access publiziert, in der Regel unter einer CC-BY-Lizenz. Bei manchen Zeitschriften sind derzeit nur CC-BY-NC und CC-BY-NC-ND-Lizenzen verfügbar.

Ab wann und wie erfolgt die Freischaltung der DEAL-Artikel im Open Access?

Die Freischaltung der Artikel im Open Access erfolgt in den Gold Open-Access-Zeitschriften ab dem 22.01.2019 und in den Subskriptionszeitschriften ab dem 01.07.2019. Als Stichtag gilt jeweils das Datum der Annahme des Manuskripts zur Publikation.

Informationen zum Workflow werden zu gegebener Zeit ergänzt.

Besteht ein Zwang zu Open Access?

Nein. Die Autorinnen und Autoren können sich auch dafür entscheiden, die Publikation nicht im Open Access zu veröffentlichen. Dabei ist zu beachten, dass sich dies nicht kostensenkend auswirkt.

Kann man Zeitschriften auch gedruckt beziehen?

Die im DEAL-Vertrag festgelegten Kosten beziehen sich auf den rein elektronischen Bezug. Bei Einrichtungen, die in ihren derzeit gültigen Verträgen Deep-Discount-Rechte in Bezug auf Printausgaben haben, gelten diese Rechte und die festgelegte Rabatthöhe unverändert fort. Der Bezug kann direkt von Wiley oder über eine Agentur erfolgen.

Welche Vertragslaufzeit wurde vereinbart?

Der Vertrag tritt mit der Unterzeichnung am 15.01.2019 in Kraft und läuft bis 31.12.2021. DEAL und Wiley werden Anfang 2021 Verhandlungen über eine Verlängerung aufnehmen. Sollten diese bis 01.12.2021 nicht beendet sein, verlängert sich der Vertrag zu gleichen Bedingungen um ein Jahr, falls dem nicht eine Partei widerspricht.

Gibt es weitere wichtige Vertragsbestandteile?

DEAL hat das Recht, eine Sicherungskopie der Vertragsinhalte in einem Dark Archive zu speichern. Es wurden außerdem einige gemeinsame Projekte zur Unterstützung und Verbreitung von Open Access und Open Science vereinbart, die in Kürze separat vorgestellt werden.

Ist der Vertrag konform mit „Plan S“?

Ja, cOAlition S erkennt das „publish and read“ Model des vorliegenden Abschlusses an. Der Vertrag erfüllt zwar nicht alle Kriterien, die von Plan S für Vereinbarungen ab 01.01.2020 gefordert werden, doch bereits vorher abgeschlossene Verträge werden anerkannt, sobald sie—wie der vorliegende Vertrag—der Definition von Transformationsverträgen nach der ESAC-Initiative entsprechen. Entsprechend wird der Vertrag noch in die Übersicht über mit Plan S kompatiblen Transformationsverträge auf der ESAC-Website aufgenommen werden.

Rechtliche und Organisatorische Fragen

Wer hat den Vertrag mit Wiley abgeschlossen?

Die „MPDL Services GmbH“, eine Tochtergesellschaft der Max-Planck-Gesellschaft. Dies erfolgt mit Zustimmung der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) und im Namen von DEAL, einem Projekt der Allianz der Wissenschaftsorganisationen.

Welche Einrichtungen können teilnehmen?

Alle wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland, die auch zur Teilnahme an den von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Allianz- und Nationallizenzen berechtigt sind (darunter: Universitäten, Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, Forschungseinrichtungen, Staats- und Regionalbibliotheken).

An wen muss man sich wenden, wenn man teilnehmen möchte?

Am 20./21. Februar wird es ein weiteres Rundschreiben der HRK geben, das über die geplante Umsetzung des Vertrages und die konkreten Beteiligungsmodalitäten informiert.
Auf Basis dieser Modalitäten werden alle berechtigten wissenschaftlichen Einrichtungen von der MPDL Services GmbH mit den erforderlichen Teilnahmeunterlagen angeschrieben.
Einrichtungen, die bis Mitte März keine Post erhalten, sich aber für berechtigt halten und gerne an dem Vertrag teilnehmen möchten, wenden sich bitte an support@mpdl-services.de.

Was muss man tun, um an dem Vertrag teilnehmen zu können?

Es muss zum einen bis zum 18.04.2019 ein „Sign-Up Letter“ unterzeichnet werden, der die Rechte und Pflichten der Teilnehmereinrichtungen im Verhältnis zu Wiley beschreibt. Die MPDL Services GmbH reicht eine Kopie dieser Sign-Up Letter an Wiley weiter. Zum zweiten muss auch gegenüber der MPDL Services GmbH eine Teilnahme-erklärung unterzeichnet werden, die die jeweilige finanzielle Verpflichtung enthält.

Wie erfolgt der Übergang in den DEAL-Vertrag?

Für Einrichtungen, die bereits 2018 einen Vertrag mit Wiley abgeschlossen hatten, gilt bis zum 22.01.2019 ein Zugriff auf die bislang lizenzierten Zeitschriften, bis zum 18.04.2019 auf alle Zeitschriften. Bis dahin muss der Beitritt in den DEAL-Vertrag erfolgt sein.

Für Einrichtungen ohne bisherigen Vertrag mit Wiley erfolgt der Zugriff auf das Zeitschriftenangebot ab Zugang des Sign-Up Letters.

Finanzielle Fragen

Wie viel zahlt meine Einrichtung bei Teilnahme am DEAL-Vertrag?

Für alle Teilnehmereinrichtungen wird ein individueller Teilnahmepreis berechnet, der auf den bisherigen Lizenzzahlungen und dem Publikationsaufkommen basiert. Er deckt den lesenden Zugriff auf alle Zeitschriften und die Publikationen in den Subskriptionszeitschriften ab. Hinzu kommen die artikelbezogen berechneten Ausgaben für die Publikationen in Gold Open-Access-Zeitschriften (20 % Rabatt auf den Listenpreis).

Wie im HRK-Rundschreiben Nr. 02/2019 mitgeteilt, beträgt die Preissteigerung relativ zu 2017 +8% / +10% / +12,5% in den Jahren 2019/2020/2021. Bezieht man das Jahr 2018 mit ein, das in den meisten Fällen durch Teilnahme an der DEAL-Übergangsvereinbarung ohne Preiserhöhung war, so ist dies für 2018-2021 eine effektive Preissteigerung von 2,961% pro Jahr. Im HRK-Rundschreiben ist weiter ausgeführt, dass es für Einrichtungen, die relativ wenig publizieren (oder bislang relativ teure Verträge hatten) auch eine Rückerstattung geben kann. Diese kann aber heute der Höhe und der Berechnungsweise nach nicht quantifiziert oder gar garantiert werden.

Der individuelle Teilnahmebeitrag wird den einzelnen Einrichtungen von der MPDL Services GmbH mitgeteilt.

Wie viele Publikationen hat meine Einrichtung?

Diese Frage wird derzeit oft gestellt; sie ist nicht einfach und nur mit Unsicherheiten zu beantworten.

1. Da sich die Zahlung/Rückerstattung an Publikationszahlen in der Zukunft festmacht, muss aus der Vergangenheit extrapoliert werden, was eine erste Unsicherheit darstellt.

2. Bei der Abschätzung der Publikationszahlen gibt es darüber hinaus noch einige weitere “Fehlerquellen”:

a) Datenumfang:

  • Je nach verwendeter Datenbank sind nicht alle Zeitschriften enthalten: Man schätzt die Publikationszahl tendenziell zu niedrig ab.
  • Nicht alle Wiley-Zeitschriften sind OA-fähig (vgl. Lizenzvertrag); hier kostet die Publikation nichts: Man schätzt die Ausgaben tendenziell zu hoch ab.

b) Corresponding Author:

Grundsätzlich sind nur Corresponding Author-Publikationen zu berücksichtigen. Bei deren Ermittlung ist weiter zu beachten:

  • Es gibt Publikationen ohne Corresponding Author: Man schätzt tendenziell zu niedrig ab.
  • Es gibt Publikationen mit mehreren Corresponding Authors: Man schätzt tendenziell zu hoch ab.
  • Manche Corresponding Authors haben mehrere Affiliations, von denen am Ende nur eine zahlen würde: Man schätzt tendenziell zu hoch ab.

Man hat nun zwei Möglichkeiten: Entweder man bemüht sich, mit sehr viel Aufwand die wahre Zahl bestmöglich abzuschätzen. Oder man zählt alle Publikationen, die einer Einrichtung zugeordnet sind (ob mit oder ohne Corresponding Author) und nimmt davon einen pauschalen Abschlag.

Angesichts der Vielzahl von Anfragen ist die Datenstelle des Nationalen Open Access-Kontaktpunktes OA2020-DE den zweitgenannten Weg gegangen und hat für alle Einrichtungen die Publikationszahlen pro Verlag seit 2015 ermittelt. Datenquellen sind Inhouse-Versionen der Datenbank Dimensions für die Anzahl der Publikationen pro Einrichtung und Unpaywall für die Zuordnung zu den Verlagen. Mit diesen beiden Datenquellen sind – im Unterschied zu Web of Science und Scopus – alle für DEAL-Verträge relevanten Zeitschriften berücksichtigt. Die Verlage wiederum wurden von der Datenstelle normiert.

Dies war unter den gegebenen Voraussetzungen die am schnellsten realisierbare Lösung. Mit Blick auf den Springer-Vertrag ist sie allerdings nicht verwendbar, da Springer Nature in den verwendeten Datenquellen nur
insgesamt dargestellt wird. Wir bemühen uns darum, in Kürze eine auf die originären Springer-Zeitschriften beschränkte Lösung anzubieten.

Die Zahlen sind abrufbar unter https://open-access-monitor.de/#/showPublicationInformation und betreffen alle einer Einrichtung zugeordneten Publikationen. Üblicherweise liegt der Anteil an Corresponding Author-Publikationen zwischen 40%-50% hiervon.

Wie sieht das Preismodell bei den Subskriptionszeitschriften aus?

Der Gesamtpreis für den bundesweiten DEAL-Vertrag mit Blick auf das Publizieren und Lesen in den Subskrip-tionszeitschriften ergibt sich aus der Multiplikation der Zahl der Artikel, die von Submitting Corresponding Authors der grundsätzlich teilnahmeberechtigten Einrichtungen veröffentlicht werden, mit einer sogenannten Publish&Read Fee (PAR Fee) von 2.750 €. Zusätzliche Kosten für den lesenden Zugriff („Reading Fee“) fallen nicht an. Hinzu kommt lediglich eine Einmalzahlung für den retrospektiven Lückenschluss für das Archiv (Anschluss an die Nationallizenzen bis 1997).

Wie sieht das Preismodell bei den originären Open-Access-Zeitschriften aus?

Hierbei wird für alle Publikationen von Submitting Corresponding Authors aus teilnehmenden Einrichtungen ein Rabatt in Höhe von 20 % auf die Listenpreise gewährt. Diese Kosten entstehen zusätzlich zu den bereits
genannten Beiträgen der Einrichtungen. Die MPDL Services GmbH wird hierfür mit einem Deposit in Vorleistung gehen.

An wen wird gezahlt?

Die Zahlungen der Teilnehmereinrichtungen erfolgen an die MPDL Services GmbH, nicht an Wiley. Wiley wird ausschließlich von der MPDL Services GmbH bezahlt. Das gilt auch für die Publikationskosten in den Gold Open-Access-Zeitschriften. Ausgenommen sind lediglich optionale Bezüge von Print-Zeitschriften (in der Regel über Agenturen) sowie ggf. darüber hinaus anfallende klassische Publikationsgebühren z.B. für Farbabbildungen oder für Sonderdrucke. Diese werden von Wiley dem Submitting Corresponding Author / der jeweiligen Einrichtung wie bisher direkt in Rechnung gestellt.