Weitere Projekte und Initiativen

Das Projekt DEAL ist keineswegs allein mit seinen Zielen. Überall in Europa und in vielen Teilen der Welt sind in den vergangenen Jahren Projekte und Initiativen gebildet worden, die mit den großen Wissenschaftsverlagen über nachhaltige Publikations- und Kostenmodelle verhandeln und die Transformation in Richtung Open Access unterstützen.

 

Niederlande
In der „Roadmap open access 2018-2020“ vom 7. März 2018 wird die Mission der Vereniging van Universiteiten (VSNU) wie folgt beschrieben:
“The collective goal of the VSNU […] – together with NWO/ZonMw (Netherlands Organisation for Scientific Research/Netherlands Organisation for Health Research and Development) and the KNAW (Royal Netherlands Academy of Arts and Sciences) – is to realise 100% open access for all research disciplines and all types of publications.”

Zum aktuellen Stand heißt es:
“The figures show that the Netherlands has already achieved excellent open-access results in recent times: in 2016, nearly 42% of peer-reviewed articles published by Dutch research universities were open-access publications. […] VSNU is committed to and confident of achieving the goal set by the National Plan for Open Science, i.e. 100% open access by 2020. The Dutch government’s coalition agreement, entitled “Vertrouwen in de toekomst“ (“Trust in the Future”, October 2017) emphasizes the importance of this issue, pledging that ‘open science and open access will be the norm in scientific research’. “

Pieter Duisenberg, Präsident der VSNU, formuliert dort das Ziel von Open Access:
„Our negotiating organisation is a leading light for foreign universities, and we will continue to follow our open vision of the future until we achieve 100% open access. In this way, we will ensure that the valuable knowledge provided by our universities benefits the whole of society.“

 

Schweden
Seit 2016 ist das Bibsam Consortium in Verhandlungen mit Elsevier bezüglich besserer Bezahlmodelle für den Übergang zu und die Implementierung von Open Access. Nach dem Verhandlungsstopp haben die Bibliotheken in Schweden, ebenso wie die teilnehmenden Institutionen in Deutschland, seit Juli 2018 keinen Zugang zu den aktuellen Jahrgängen der Zeitschriften von Elsevier. Das Verhandlungsteam um die Vorsitzende Astrid Söderbergh Widding verlangt eine sofortige Open Access-Komponente auf der Grundlage von “Publish and Read” (PAR) für alle Elsevier-Journale, kombiniert mit einem langfristigen, nachhaltigen Kostenmodell. Eine vollständige Umstellung auf Open Access für alle öffentlich finanzierten Publikationen soll bis 2026 erreicht werden.

Astrid Söderbergh Widding beschreibt die Notwendigkeit für diesen Schritt folgendermaßen:
“We need to change the system of scientific communication because of the rising costs for both licences and APCs. These high prices are depleting state research funds to the benefit of commercial enterprises. We must take control of the costs, and we believe the time is ripe now that Germany has set the example, and there are also other countries in the pipeline. […] I expect the negotiations to resume in the autumn. We heads of European educational institutions have a lot of contact with each other in order to monitor developments. Within the EU, there is now the view that research financiers also have a responsibility. If they begin to demand open access publication, the publishers will be forced to flip the system.” (in: Online-Magazin Curie, 17.09.2018)

Der schwedische Wissenschaftsrat hat in seinem Entwurf zur Implementierung von Open Access von 2015 fünf Hindernisse auf dem Weg zu Open Access identifiziert (Original):

  • The current merit and resource allocation system versus incentives for open access
  • Funding for a transition from a subscription-based to an open access publishing system
  • Open access to scholarly monographs
  • Financial and technical support for converting peer-reviewed and scholarly journals from toll access to open access
  • Monitoring of compliance with open access policies and mandates

Zu all diesen Punkten wurden Arbeitsgruppen ins Leben gerufen, die bis 2019 entsprechende Studien vorlegen sollen.

In einer Mitteilung vom 11. Oktober 2018 erklärt das Bibsam Consortium, dass es in den ersten 100 Tagen seit der Abschaltung der Zugänge zu den aktuellen Elsevier-Artikeln zu deutlich geringerer Behinderung der wissenschaftlichen Arbeit gekommen sei als erwartet.

 

Norwegen
Unit (The Norwegian Directorate for ICT and Joint Services in Higher Education and Research) übernimmt im Auftrag des norwegischen Ministeriums für Bildung und Forschung die Verhandlungen mit elf Verlagen, unter anderem vier der fünf größten internationalen Wissenschaftsverlagen (Elsevier, Springer Nature, Wiley, Taylor & Francis). Das Ziel ist ein freier Zugang zu allen öffentlich finanzierten Forschungspublikationen bis 2024. Dabei fungiert Unit als nationaler Koordinator für die Arbeit mit Open Access.

Mit Unterstützung der UHR (Universitäten Norwegens) wird nach folgenden Prinzipien verhandelt (Original):

  • The articles with corresponding authors from Norway shall be openly available at the time of publishing
  • Publishing open access shall not increase total costs
  • License agreements, costs and business models must be fully transparent
  • Perpetual access to content published in subscription journals must be granted
  • Agreements should demonstrate a move towards models where costs are related to the volume of Norwegian institutions article publishing output

Der Norwegische Wissenschaftsrat trägt seit September 2018 gemeinsam mit zwölf weiteren europäischen Wissenschaftsförderern den Plan S der cOAlition S mit.

 

Finnland
Das FinELib ist ein Konsortium aus finnischen Universitäten, Forschungseinrichtungen und öffentlichen Bibliotheken. Seit 2016 wird mit einer Reihe von großen Wissenschaftsverlagen neben Kostenmodellen für Journale auch über eine Transformation vom traditionellen Subskriptionsmodell hin zu Open Access verhandelt. Mit einigen Verlagen wurden Übergangsvereinbarungen getroffen oder bereits Einigungen erzielt, mit weiteren ist das Konsortium noch in Verhandlungen. Das Ziel ist der Übergang zu sofortigem Open Access ab 2020.

Mit Unterstützung der UNIFI (Organisation aller Universitäten Finnlands) arbeitet das Konsortium an folgenden Zielen (Original):

  • Prices of scholarly publications must be reasonable.
  • Information must be openly available.
  • Transition to open access must be possible without any additional costs.
  • Terms of use for articles must be appropriate and easy to understand.

Die Geschäftsführerin der UNIFI, Leena Wahlfors, betont die Bedeutung von Open Access:
“We can make science more efficient by making research based knowledge available to everybody. This will benefit the whole scientific community and decision makers as well as citizens. […] At the moment, Finland is known as an open science forerunner in Europe. We must keep this role in mind and support open publishing determinedly.” (in: “UNIFI demands Open Access and gives its full support to FinELib’s negotiation goals”, unifi.fi, 25.09.2018)

Open Access ist dabei möglichst schnell und umfassend zu erreichen. “Open Access should be a default”, sagt Arja Tuuliniemi, Head of Services in der Lizenzabteilung der Nationalbibliothek Finnland.

FinELib ist unter anderem Teil des OA2020 Projekts und unterstützt die Verhandlungsprinzipien zu Open Access von LIBER.

 

Schweiz
Im Auftrag des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Nationalfonds (SNF) wurde 2016 von swissuniversities eine nationale Open Access Strategie entwickelt, die im Januar 2017 in Kraft getreten ist.

Das oberste Ziel ist der freie Zugang zu allen aus öffentlichen Mitteln finanzierten Publikationen bis 2024. Zur Konkretisierung der Strategie wurde 2017 ein Aktionsplan vorgelegt.

Bezüglich der Ausgangslage von Open Access in der Schweiz heißt es darin:
“Dies bedeutet konkret, von der aktuellen Situation (2015), bei der 30% der 33’600 Publikationen der Schweizer Hochschulen als Open Access veröffentlicht werden – 16% als Green Open Access (oder Selbstarchivierung), 11% als Gold Open Access und 3% nach einem Hybridmodell –, zu einer Situation überzugehen, die der Vision 2024 entspricht, nach der 100% der Publikationen der Schweizer Hochschulen Open Access sein müssen.” (S. 3)

Der Umstieg auf 100% Open Access soll durch diese drei Möglichkeiten erreicht werden:

  • “die Forschenden dazu bewegen, ihre Publikationen auf den institutionellen Repositorien oder auf thematischen Servern zu hinterlegen (Selbstarchivierung oder Green Road)
  • die Forschenden dazu bewegen, die Ergebnisse ihrer Forschungen in Open-Access-Zeitschriften zu veröffentlichen (Gold Road) und
  • mit den Verlagshäusern Lizenzverträge aushandeln, die sowohl den Zugang zu den Zeitschriften als auch die Möglichkeit abdecken, dass die Forschenden der Schweizer Hochschulen ihre Arbeiten Open Access in Zeitschriften dieser Verlagshäuser veröffentlichen können (Offsetting, Variante ohne «double dipping» des Hybrid OA).” (S. 3)

Seit Februar 2018 wird der Plan unter Koordinierung von swissuniversities umgesetzt. In den Verhandlungen mit den wissenschaftlichen Verlegern soll das Ziel von 100% Open Access bis 2024 erreicht werden, ohne dass Mehrkosten für die Schweizer Hochschulen entstehen. Dabei wird das Modell “Publish&Read” (PAR) angestrebt. Dabei werden die Publikationskosten fixiert und durch die Hochschulen finanziert, das Lesen und Herunterladen ist im Preis inbegriffen. Mit Springer Nature wurde seit April 2018 an einer Übergangslösung für einen erfolgreichen Transformationsprozess zu Open Access gearbeitet. Die Verhandlungen mit Wiley und Elsevier sollen im Januar 2019 beginnen (Zeitplan).

 

Österreich
Das österreichische Bibliothekskonsortium Kooperation E-Medien Österreich (KEMÖ) beschreibt die Entwicklung von Open Access und die entsprechenden Verhandlungen mit den Verlagen in Österreich wie folgt:
“Die 2005 gegründete KEMÖ setzt sich neben der koordinierten Erwerbung, Lizenzierung und Administration von elektronischen Medien für eine aktive Förderung von Open Access in Österreich und weltweit ein. Nachdem die KEMÖ im Jahr 2014 gemeinsam mit dem Österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) und dem Verlag IOP eines der weltweit ersten Offsetting-Abkommen geschlossen hat, folgten weitere Open-Access-Vereinbarungen mit den Verlagen Emerald, RSC, SAGE, Springer Nature, Taylor & Francis sowie Wiley. Darüber hinaus strebt die KEMÖ auch die Verhandlung transformativer Abkommen mit kleinen und mittelgroßen Verlagen an und setzt sich für die Förderung alternativer, nicht-kommerzieller Open Science-Infrastrukturen & Services ein. Auch zukünftig wird die KEMÖ daher durch die Verhandlung von Open Access-Abkommen, deren praktischer Umsetzung mittels gut funktionierender Workflows, sowie durch die Mitwirkung an nationalen und internationalen Open-Access-Initiativen aktiv am Open-Access-Transformationsprozess mitwirken.”

Eine Liste mit den aktuellen Laufzeiten der Vereinbarungen mit den Verlagen ist hier zu finden.

Darüber hinaus ist das Open Science Network Austria (OANA – vormals Open Access Network Austria) mitwirkend in verschiedenen internationalen Initiativen und Projekten zum Thema Open Science und Open Access.